Wo der Garten ein echtes Lebenselixier ist

Zweiter 'Tag der offenen Gärten' beim Mosbacher Sommer - 21 Familien boten 'Von allem ebbes' - Genießen und Fachsimpeln - aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 172, Mittwoch, 29. Juli 2015 - von Peter Lahr.

Bereits zum zweiten Mal öffneten am Samstag Privatgärten in Mosbach und umliegenden Gemeinden ihre Pforten, um interessierte Besucher willkommen zu heißen. Unter der Regie des 'Fördervereins Landesgartenschau Mosbach 1997' und eingebettet in das Programm des 'Mosbacher Sommers' beteiligten sich diesmal 21 Familien an dieser Aktion, die bereits bei der Premiere vor drei Jahren auf eine überwältigende Resonanz gestoßen war. Damals besuchten bis zu 500 Gäste die einzelnen Gärten. Für manchen Gartenbesitzer war das fast zu viel des Guten. 'Dieses Mal war es wieder ein voller Erfolg. Aber es war entspannter als beim letzten Mal. Pro Garten kamen 50 bis 250 Gäste', zog die Vereinsvorsitzende Birgit Dallinger am Montag ein äußerst positives Fazit.

Fünf Stunden blieben den Garten-Enthusiasten aus nah und fern, um ihre Ziele anzusteuern. Das bedeutete für viele die Qual der Auswahl. Es gab sowohl 'Wiederholungsbesucher', die ihre Route planten, als auch spontane Gäste. Die Besucher kamen aus dem gesamten Landkreis und auch manchmal von weiter her - der am weitesten gereiste sogar aus Südamerika.

Das Angebot hatte 'Von allem ebbes' dabei, wie ein Gartenbesitzer treffend formulierte. Vom stilvollen Villengarten ging es über Staudengärten bis zu Selbstversorger- und Bio-Anlagen. Teiche und Obstbäume standen genauso im Blickpunkt wie Gewächshäuser, Wintergärten, Gemüsebeete und einjährige Pflanzen. Von verspielt bis akkurat ging es da zu - ganz nach dem Gusto der jeweiligen Besitzer.

Die Kombinatin aus Garten und Heimatstube macht den Lohrbacher Tannenhof zu einem ganz besonderen Ziel. 'Das ganze Anwesen ist wunderschön', zeigt sich eine Besucherin angetan von dem Ensemble aus historischen Gebäuden, Gemüsebeet und Bauerngarten, Heimatstube und Hühnerwiese. Dass ihr Garten eine Art Lebenselixier für die beiden Besitzer darstellt, wird im Gespräch schnell deutlich. 'Ich werd 85, mein Mann 90', erklärt Else Ernst. Jedes Jahr ziehe sie es aber wieder in den Garten. Nicht nur die Bewegung tue gut: 'Wir leben vom Garten', lautet die Überzeugung des Paars. Brokkoli, Tomaten, Salat, Bohnen und Kartoffeln gedeihen prächtig. 'Es wird nicht gespritzt und nicht gedüngt', erklärt Else Ernst. Neuem ist sie dennoch aufgeschlossen: 'Der Enkel hat gefragt: Oma hast du Platz?' Jetzt wachsen auch Pastinaken im Gemüsegarten.

'Es gibt auch viele schöne Seltenheiten', weist Ines Breiding, Beisitzerin des Fördervereins, auf den blühenden Bauerngarten. Herbstanemonen und zitronengelbe Taglilien prangen neben Phlox, Russeliana, Margeriten, Malven und Iris. 'Gießen kann ich nicht mehr', betont die Gartenbesitzerin. 'Es kommt, was sich aussät.' Einzige Ausnahme: 'So drei, vier Dahlien tu ich noch stecken.' Entspannt geht es zu, auch wenn einmal eine Regenwolke durchzieht. Katze Emma und Kater Rudi schauen schnurrend vorbei. Für die Gäste gibt es frische Klaräpfel und für Kinder einige selbst gebackene 'Wolfszähne'.

Wie schwer ein hölzerner Schubkarren schon leer wiegt, kann man in der Scheune ausprobieren, wo auch ein großer Heuwagen parkt. 'Da können wir uns noch erinnern, wie die fuhren', sind sich Alfred und Else Ernst einig.

Erstmals fuhr dieses Mal am 'Tag danach' auch ein Bus zu allen Gärten. So konnten sich die Gartenbesitzer untereinander über Geschehenes und Erlebtes austauschen. 'Alle haben gestrahlt', beschreibt Birgit Dallinger abschließend die grandiose Stimmung.