Wenn die Gartenlaube zur Villa wird

20 Jahre LGS-Park: Roswitha Iasevoli las über 'Nacktschnecken im Paradies' - Gartenpassion mit Humor- aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 101, Mittwoch, 3. Mai 2017 - von Peter Lahr.

Sie kennt den falschen Frühling. Dichtete über regnende Blütenblätter, trübe lächelnde Pfützen und späte Fröste. Im Alten Schlachthaus lud die grünbedaumte Autorin Roswitha Iasevoli zum 'Gartenplausch' ein. 'Nacktschnecken im Paradies', lautete nicht nur die Überschrift ihres Programms voller Humor und Herz. Den neugierig machenden Titel gab sie auch einem Kompendium, das mit Geschichten, Gedichten und einem Pflanzen-ABC einen idealen Ganzjahres-Begleiter darstellt.

Birgit Dallinger begrüßte rund 50 Gäste der ersten Kooperation zwischen dem Kunstverein Neckar-Odenwald, Bücher am Käfertörle sowie dem Landesgartenschau-Förderverein, dessen Vorsitzende die Gartenarchitektin ist.

'Heute auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde die Landesgartenschau in Mosbach eröffnet', erinnerte Dallinger an das besondere Datum - und das 'Geburtstagsfest' im Park am kommenden Sonntag. Dass eine Autorin nicht nur eine leidenschaftliche Hobbygärtnerin ist, sondern auch noch über Nacktschnecken schreibe, das fand die Rednerin schlicht 'cool'. Die Kühle des Raumes vertrieben flackernde Teelichter. Ein Strauß Rosen schmückte den Tisch der Leserin. Warmes Licht verbreiteten drei Stehlampen.

'Ich komme aus Dortmund, das sind die, die gestern gegen die Bayern gewonnen haben', erklärte Roswitha Iasevoli gleich vorneweg. Erstaunt zeigte sie sich darüber, dass Schrebergärten auch südlich des Mains bekannt sind: 'Ich dachte, Sie besitzen ein Schloss mit Gärtner oder ein Reihenhaus mit Garten.'

Schrebergärten seien nicht nur 'Oasen des Sommers', in denen die Laube schnell zur Villa werde. Schrebergärten lehrten auch, was wirklich wichtig sei im leben. Zwei Kochflammen, ein Lochkühlschrank und ein Plumpsklo etwa. Als Lohn des Verzichts winkten delikate Blütenträume, Gemüse und Obst in Hülle und Fülle sowie mancherlei Begegnung.

Um eine verbotene Liebe ging es in der ersten Geschichte, die ausgerechnet im Kleingartenverein 'Frohes Schaffen' spielte...Dass Gärten wunderbare Verwandlungen bei Menschen bewirken können, dieser schöne Grundgedanke tauchte immer wieder bei Iasevolis Miniaturen auf. Besonders traumhaft wurde es in einem Märchen der besonderen Art. 'Alle Personen sind Blumen', erklärte die Schriftstellerin ihren Kunstgriff. Folgerichtig lebte Mama Stiefmütterchen mit ihren drei 'Schönen der Nacht', also mit dem fleißigen Lieschen, dem flammenden Käthchen und der schwarzäugigen Susanne, in einem verzauberten Garten.

'Jetzt müssen Sie aufpassen, jetzt geht's um die Schnecken', lautete der dezente Hinweis auf die Gretchenfrage aller Gartenfreunde. Vertrieb doch die Susanne durch ihr Singen, Lachen und Fröhlichsein die schleimigen Plagegeister. 'Das haben Sie noch nie probiert. Seien Sie nicht so misstrauisch', forderte die Autorin zur Probe aufs Exempel auf.

Iasevolis Pflanzen-ABC begann mit ihrem 'Lieblingshingucker', der Akelei. 'Kennen Sie die zweifarbige?'. Zauberhaft und richtig altmodisch sei auch die 'Jungfer im Grünen'.
Zahlreiche Zuhörerinnen dürften sich bei der Geschichte von der 'Samenspenderin' wiedererkannt haben. Ging es darin doch um die Wonnen, in einem herbstlichen Botanischen Garten allerlei Samen für den heimischen Garten zu 'ernten' - und die unerbitterliche Aufforderung eines Wächters, alles wieder abzugeben. Um die Zuhörer nicht in eine ähnliche Bredouille zu bringen, hatte Roswitha Iasevoli Tütchen und Döschen voller Saatgut mitgebracht - und verschenkte diese am Ende der Lesung. 'Wenn ich Sie höre, weiß ich, warum ich Gartenarchitektin wurde. Meine Liebe zur Natur und den Pflanzen ist heute wieder erblüht', bedankte sich eine begeisterte Birgit Dallinger für den schönen Abend.