…und Jeanne d’Arc spannt den Bogen

Förderverein Landesgartenschau besuchte ausgewählte Privatgärten im Elsass - aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 146 vom 27. Juni 2016 - von Dorothee Lindenberg.

'Wenn ich das sehe, fühle ich mich im Himmel', schwärmt Michel Erard zufrieden. Zusammen mit Ehefrau Jacqueline kultiviert der pensonierte Arzt im elsässischen Marckolsheim auf etwa einem Hektar botanische Raritäten wie gelbblättriges Efeu, schlitzblättrige Buche und Zimtahorn. Seine eigentlichen 'Kinder' aber sind die Taglilien, die Monsieur Erard mit Leidenschaft züchtet und auch verkauft.

Der ansonsten eher einfach gehaltene Wolkengarten 'Jardin dans les nuagles' bildete den Abschluss einer 'Tour d'Alsace', die der LGS-Förderverein Mosbach unternahm. Unter fachkundiger Führung der Vereinsvorsitzenden Birgit Dallinger erkundeten rund 45 interessierte Gartenliebhaber vier Privatgärten im benachbarte Elsass.

Gruppenbild

Foto: privat - Die Reisegruppe im Hof von Pierrette Kieny in Dieboldsheim

Mit dem Hausbau 1976 hat alles angefangen. Seitdem haben Marguerite und Michel Goetz den im englischen Stil angelegten 'Jardin de Marguerite' in Plobsheim in ein harmonisch-poetisches Paradies verwandelt. 'Peu à peu' gewachsen ist der mittlerweile 5000 Quadratmeter große Garten, der in Themen- und Farbbereiche gegliedert ist. Gepflegt werden nahezu nur die Rabattenränder, 'die Pflanzflächen organisieren sich von selbst', verrät die Hausherrin. Raritäten wie schlitzblättrige Erle und kleinwüchsige Hortensien stammen aus Holland und England. Die dezent eingesetzten Deko-Elemente aus rostigem Eisen komplettieren das Kleinod und lassen den Garten wie aus einem Guss erscheinen.

Auch bei Pierrette Kieny sind Gäste (auch in 4 Fremdenzimmern) willkommen. 30 Jahre alt ist ihr 'Ambiance-Jardin' in Diebolsheim, der hinter einem ehemals landwirtschaftlich genutzten Anwesen liegt. Eine riesige Kastanie am Eingang begrüßt die Besucher. Entspannt und poetisch ist die Grundhaltung von Garten und Gärtnerin, die auf Pflanzenqualität setzt und eine leidenschaftliche Sammlerin alter Gegenstände ist. Mit seinen variantenreichen Büschen, Sträuchern und kleinen Themengärten wirkt der 'Ambiance-Jardin' überraschend natürlich.

Mit charmantem Akzent führen Monsieur und Madame Stoeckle die Besucher durch den nur 600 qm großen 'Jardin de Lyne'. Erst vor wenigen Jahren haben sie sich ihr Heim in Ohnenheim im Pfarrhausstil errichten lassen. Auf kleiner Fläche zeigen sie, wie Vor-, Haupt- und Nutzgarten zum stimmungsvollen Ensemble werden. Immer zu dritt gruppiert, finden sich Pflanzen und Gehölze, die Namen wie Patrick und Pascal haben. Viele selbstgezogene Buchsbaumhecken und Eiben, antikes Dekor und farblich perfekt abgestimmte Pflanzenfarben bilden ein ganzes, das mit einer (kopflosen) Jeanne d'Arc ein Ausrufezeichen setzt. 'Sie spannt den Bogen über die Zeit', sagt Madame Stoeckle über die axial ausgerichtete Steinfigur.