In Nüstenbach wachsen Venusaugenbrauen und ‚Fußtritte des weißen Mannes‘

Landesgartenschau Förderverein lud zur Wildkräuterwanderung mit Hedwig Kempf ein - aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 172, Dienstag, 29. Juli 2014 -  von Dorothee Lindenberg.

Die sorgfältig gestalteten Zier- und Nutzgärten lagen erst wenige Meter zurück, als schon die ersten 'Augenbrauen der Venus' am Wegesrand auftauchten. Ihre poetische Umschreibung hat die Schafgarbe der fein ziselierten und sanft geschwungenen Blätter wegen. Die Bitterstoffe der 'Powerpflanze' wirken verdauungsfördernd und krampflösend. Auch in der Frauenheilkunde wird das Jungfern- und Mutterkraut eingesetzt und sorgt dort für Ordnung, Struktur und Regelmäßigkeit. Neben ihr hat sich der 'Fußtritt des weißen Mannes' ausgebreitet. So wird der Breitwegerich bei den Indiannern Nordamerikas genannt, der gegen müde Beine und Blasen Wirkung zeigen soll.

Kräuter14_1       Kräuter14_2

Fotos: Lindenberg

Knapp drei Dutzend interessierte, überwiegend weibliche Kräuterliebhaber waren trotz drückender Temperaturen am Freitagnachmittag der Einladung des LGS-Fördervereins gefolgt und hatten sich in Begleitung von Hedwig Kempf zur Wildkräuterwanderung rund um Nüstenbach aaufgemacht. Gespannt lauschten die zumeist 'Kräutererfahrenen' den Ausführungen der Heilpraktikerin, 'deren Steckenpferd die Kräutlin sin', wie LGS-Fördervereins-Vizevorsitzender Bert Hergenröder die Gruppe begrüßte. Auch er erfuhr, dass der uralte Ackerschachtelhalm ein Tiefwurzler ist, der überbrüht den Nieren hilft, ausgekocht Kieselsäure freisetzt 'und gut für Haut, Haare und Nägel ist'. Fast vergessen scheint, dass ein Blatt zusammengerollten Spitzwegerichs den Juckreiz bei Bienen- und Wespenstichen lindern und die Schwellung mindern kann. Der junge Damian wusste zudem, dass er - Notapotheke am Wegesrand - reizmildernd nach einem Sturz ins Brennesselfeld wirkt. Dabei sei gerade die Brennesssel ein wahres Energetikum und finde sowohl in der Küche als auch im Medizinschrank Anwendung. Weil sie Eisen aus der Umgebung aufnehme, wachsen Brennesselpflanzen gerne in der Nähe rostender Landmaschinen, wusste Kempf. Sie bescheingte der Pflanze, die schon im Mittelalter gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt wurde, eine blutreinigende und durchblutungsfördernde Wirkung. Aber Vorsicht: Auch Wildkräuter haben Nebenwirkungen! Nicht alles helfe jedem und die Dosis mache das Gift oder eben die Heilung aus. Nicht wenige Kräuter seien (in Mengen) toxisch und meist sei eine Kuranwendung besser, als der Dauergebrauch, warnte die Kräuterkundige. Einiges wolle überbrüht als Tee und in fein austarierter Mischung mit anderen Wegesrandgefährten genossen, anderes kalt gepresst oder sogar in der Erde - der konstanten Temperatur wegen - bis zur Reife vergraben werden. Besonders junge Wildkräuter landeten zudem gern in der Salatschüssel. Und so manche Schönheit rechts und links der Wege habe gar eine schutzmagische Wirkung, verriet Kempf. Das stamme zumeist noch aus Zeiten, als Bakterien und Co. unbekannt und alles Übel bösen Geistern zugeschrieben worden sei, war sich die gut informierte Wandergruppe sicher. -  Text und Fotos von Dorothee Lindenberg.