Im Schatten ist man in einer ganz anderen Welt

Landschaftsarchitektin Christine Orel referierte beim LGS-Förderverein -Aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 148 vom 12. August 2010 -von Peter Lahr.

'Gott gab uns den Schatten, damit wir das Licht besser sehen können.' Diesen Satz eines unbekannten Philosophen setzte Bert Hergenröder dieser Tage einem Vortrag über Schattengärten voraus. Gut 50 Zuhörer waren der Einladung des LGS-Fördervereins in den Mosbacher Rathaussaal gefolgt, um die in Herzogenaurach lebende Landschaftsarchitektin Christine Orel zu hören. 'Das gärtnerische Werk der Landesgartenschau ist ihr Werk', stellte die Mosbacher Landschaftsarchitektin Birgit Dallinger die Referentin vor.

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Fotos: Breiding

'Klassisch wäre es, alle standorttauglichen Pflanzen zu beschreiben. Aber mir geht es mehr um die Zusammenhänge', umschrieb die Referentin zunächst ihre Herangehensweise und erweiterte den Titel auf 'Schattengärten und Sonnengärten im Spannungsfeld von Standort, Farbe und Form'. Denn als Erstes solle man sich stets Gedanken über den Standort und sein Umfeld machen. Der 'Lebensbereich Beet' sei in der Regel offen und mit viel Licht verbunden. 'Grenzen sind nicht vorhanden.' Rittersporn, Sonnenblumen, Rosen, all jene Pflanzen, die wir auch aus dem Bauerngarten kennen, könnten hier problemlos gedeihen.

Auf die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten der Beetgestaltung mittels bewusst gesetzter Farbkontraste ging die Referentin nicht nur theoretisch ein. Sie zeigte stets Beispiele, die schnell Parallelen zwischen der Malerei und der Gartengestaltung ans Licht brachten. Dass über 80 Prozent der Bauherren ihren Garten am liebsten in den Romantik-Farben Rosa und Lila gestalteten, schien Christine Orel anzuspornen, auch alle Alternativen zu skizzieren. Ob elegantes Weiß, mystisches Blau oder feuriges Orange - 'Farben haben eine subjektive Wirkung'.

'Im Schatten ist man in einer ganz anderen Welt', unterstrich die Referentin. Hier habe man wenig mit Farbe zu tun, könne jedoch den 'Joker der Blattformen ausspielen'. Pflanzen seien nicht einfach grün, weshalb Christine Orel riet: 'Gucken Sie genau auf die Blätter.' Diese können gefingert, oder fein gebuchtet sein, herzförmig gefiedert und gezähnt wie bei den Funkien, oder, oder, oder...

Für einen 'Ausflug ins Gelände' bot sich der 'Blattstrukturgarten von Mosbach' an, gelegen zwischen Loretto-Park und den Gleisen. Unter der großen Blutbuche hat sich mittlerweile ein Schattengarten mit vielfältigen Formen entwickelt.

Weitere Anregungen lieferten die LGS in Bingen, wo die Blattformen des Waldgeißbarts beeindruckten. Unterhalb des Frankfurter Messeturms wagte es Orel, eine große Gruppe von Pfingstrosen zu setzen. Beim 'frechen Staudengarten' konnte die gekonnte Kombination von Farben, Blättern und Blütenformen studiert werden. Christine Orels Appell zum Schluss: 'Ich kann Sie nur ermutigen, experimentieren Sie. Haben Sie Vertrauen.'

Bert Hergenröder gefiel nicht nur, dass die Referentin riet, im Schattengarten, der ja dem Lebensbereich Gehölz entspreche, das Laub liegen zu lassen. Auch, dass Christine Orel im Anschluss an den Vortrag ein Beitrittsformular des Fördervereins unterschrieb, beeindruckte. -Aus der Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 148 vom 12. August 2010 -von Peter Lahr.