Anschauen ja, kauen besser nicht!

Birgit Dallinger referierte beim Förderverein Landesgartenschau Mosbach über den Umgang mit giftigen Pflanzen - Rhein-Neckar-Zeitung Mosbach - Oktober 2016 - von Dorothee Lindenberg.

Kann man mit Giftpflanzen leben? Überhaupt nicht, sagen die einen und wollen alles, was irgendwie giftige Inhaltsstoffe enthält, aus dem Umfeld von Kindergärten, Schulen und Co. ausschließen. Auf Erziehung zur Vorsicht, setzt dagegen Birgit Dallinger und weiß viele Naturfreunde und Befürworter einer Pflanzenvielfalt hinter sich.

'Die Dosis macht das Gift', bestätigt die passonierte Landschaftsarchitektin den Arzt und Philosophen Paracelsus und fordert eine kindgerechte Pflanzenaufklärung. Dass von 'Bauchwehbeeren' die Finger gelassen werden müsse, sei schon den Kleinsten vermittelbar.

Am Donnerstagabend beendete der Förderverein LGS seine diesjährige Veranstaltungsreihe mit einem Referat über den Umgang mit Giftpflanzen. Etwa 30 Exemplare aus Wald, Wiese, Gemüsebeet und Topf stellte Dallinger in gut einstündigem Vortrag vor, bestätigte Bekanntes, ergänzte Überliefertes und überraschte mit Neuem.

Bekannt war, dass Goldregen, Pfaffenhütchen, Stechapfel und Seidelbast an Spielplätzen nichts verloren haben, weil schon einige Beeren oder Samen für Kinder tödlich sein können. Manche Pflanze sei in allen Teilen, andere nur teilweise giftig, erfuhren die Zuhörer. Fast immer reagiere der Mensch mit spontanem Erbrechen als körpereigenem Schutzmechanismus. In den meisten Fällen sei es harmlos, wenn Kinder Pflanzenteile in den Mund steckten, weil laut Erfahrung und Statistik Vergiftungen sehr selten seien. Nicht so, wenn die Blüten des blauen Eisenhuts in den Suppenteller fallen oder von der hochgiftigen Engelstrompete genascht werde. Vorbei sei die Zeit, als die Tollkirsche im Dienst der Schönheit die Pupillen weiten durfte. Noch immer sei die Gartenbohne ungekocht sehr gefährlich, dürfen unreife Tomaten nicht auf der Fensterbank zur Nachreife ausgelegt werden, weil erst Kochen die Lektanine zerstöre beziehungsweise Solanin in unreifen Früchten nicht abgebaut werde.

Vielen bekannt war, dass nicht einmal Tulpen den trüben Narzissensaft mögen, eher unbekannt dafür, dass Basilikum bei Tierversuchen krebsauslösend wirke, 'dazu muss man es aber topfweise verspeisen'. Nicht ganz harmlos ist auch die zu den Aronstabgewächsen zählende Dieffenbachia, die deshalb Schweigrohr heißt, weil sie einst aufmüpfigen Sklaven die Stimme raubte. Vieles, was pur genossen hochgiftig, könne in geringer Dosis heilend sein, erklärte Dallinger die Übergänge zwischen Gift- und Heilpflanze. So sei das Gift in Herbstzeitlosen atemlähmend, lindere aber richtig dosiert Gicht. Zu den meldepflichtigen Pflanzen zählt das für Mensch und Tier giftige Jakobskreuzkraut, das nicht auf dem Kompost entsorgt werden darf. Ob und wie stark ein Wirkstoff giftig wirke, hänge sowohl von der jeweiligen Person (Konstitution, Alter) als auch von der Pflanze selbst (Konzentration, Standort) ab.

'Giftigkeit ist also immer relativ', fasste die Referentin zusammen und warnte vor Panikmache. Im Ernstfall müsse aber der (Not)Arzt gerufen werden. Rund um die Uhr helfen auch die Giftinformationszentralen (GIZ) beispielsweise am Uniklinikum Freiburg unter Tel. (0761) 19240 weiter.